Cortina d'Ampezzo, 23. Januar 2010
"Lindsey war heute definitiv nicht zu schlagen"
Nach ihrem fehlerfreien Lauf auf der "Tofana" riss
Maria Riesch
die Arme in die Höhe und freute sich ausgelassen über die neue Bestzeit. Mit Spannung erwartete dann nicht nur sie den Start ihrer
Freundin Lindsey Vonn, die in dieser Saison alle bisherigen Abfahrten klar dominieren konnte. Bis zur zweiten Zwischenzeit
rückte der erste Sieg der Zollhauptwachtmeisterin dann sogar in greifbare Nähe. Im Ziel jedoch stand hinter der Nummer 1
bereits zum sechsten Mal in Folge der Name der US-Amerikanerin an der Anzeigentafel. Platz 3
belegten zeitgleich Anja Paerson aus Schweden sowie die Schweizerin Nadja Kamer.
"Ich bin gefühlsmäßig gespalten. Sicher freue ich mich über den zweiten Platz und eine gute Fahrt. Aber es ist schon sehr bitter und frustrierend, dass Lindsey einfach nicht zu schlagen ist, und nicht einmal mit einer richtig guten Leistung. Das muss irgendwie auch am Ski liegen", meinte Maria Riesch, die im Ziel nur 0,42 Sekunden hinter der Siegerin lag. Ganz offensichtlich kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Lindsey Vonn sich den entscheidenden Zeitvorteil gegenüber ihren Konkurrentinnen durch das Fahren mit längeren und schwereren Herren-Skiern holt.
Bislang war der Slalomweltmeisterin die risikobehaftete Umstellung zu gefährlich. Ein Sturz mit den erheblich schwerer zu beherrschenden Rennskiern könnte fatale Folgen haben. Um ihrer Freundin bei den Olympischen Spielen aber doch noch Paroli bieten zu können, spielt die Zöllnerin neuerdings doch mit dem Gedanken, entsprechendes Material zumindest einmal zu testen. "Ich kann so kurz vor Olympia eigentlich kein großes Rumdoktern anfangen. Aber vielleicht werde ich vor den Rennen am nächsten Wochenende in Sankt Moritz beim Freifahren mal Männer-Ski ausprobieren. Wenn ich einigermaßen klar komme, vielleicht auch mal im ersten Training eine Fahrt damit wagen", kündigte Maria Riesch nach dem heutigen Rennen an. "Aber wenn es nicht funktioniert, höre ich sofort wieder damit auf, sonst mache ich mich nur verrückt." Trotz aller Diskussionen um den richtigen Ski unterstrich die 26-Jährige mit ihrer heutigen Leistung ihre Ambitionen auf eine Olympische Medaille auch in der Königsdisziplin.
Erfreulich war der 14. Platz von
Gina Stechert,
der damit ihr bestes Saisonresultat gelang. Nach einem Kreuzbandriss im März des letzten Jahres kommt die junge Zollwachtmeisterin
immer besser in Form. Allerdings konnte man ihrem Gesichtsausdruck nach dem Rennen in Südtirol auch ein wenig Enttäuschung entnehmen,
denn trotz des guten Ergebnisses verfehlte sie knapp die geforderte Olympianorm. Nachdem die Weltcuprennen am kommenden Wochenende
im Schweizer Sankt Moritz nicht mehr zu den offiziellen Nominierungswettkämpfen zählen, kann die Zöllnerin allenfalls noch
auf eine Ausnahmeregelung des DSV hoffen. "Das ist schon bitter, aber man kann's halt
nicht ändern. Die Saison geht trotzdem für mich weiter", meinte die Speed-Expertin, die als 22-Jährige noch
lange nicht am Ende ihrer sportlichen Karriere steht.




