Sankt Moritz, 30. Januar 2010
Maria Riesch gewinnt Abfahrt von St. Moritz
"Was vor zwei Wochen noch unmöglich erschien, ist jetzt heute doch noch wahr geworden. Das ist eine
unglaubliche Genugtuung für mich und gibt mir enormes Selbstvertrauen für die Spiele", meinte die Zöllnerin
nach ihrem zweiten Saisonerfolg, mit dem sie Lindsey Vonns Serie von sechs Abfahrtssiegen in Folge
beendete. Überglücklich vor Freude und Erleichterung fügte sie hinzu: "Es ist gut zu wissen, dass man am
Tag nach einer Niederlage wieder gestärkt aufstehen kann. Aber es ist nicht so, dass ich das unbedingt brauche."
Nach einer nahezu perfekten Fahrt auf der Piste "Corviglia" war Maria Riesch komfortable 0,79 Sekunden schneller als die zweitplatzierte Französin Ingrid Jacquemod. Lokalmatadorin Fabienne Sutter überquerte als Dritte die Ziellinie in über 2.000 Meter Höhe. Lindsey Vonn, die wie schon den ganzen Winter auf Herren-Skiern unterwegs war, verlor nach einem Fahrfehler über eine Sekunde auf die erfolgreiche Deutsche und landete auf dem für sie enttäuschenden 5. Rang. Dabei fuhr die Zollhauptwachtmeisterin bei ihrem insgesamt 13. Weltcupsieg mit eigentlich defektem Material. "Mit dem Ski bin ich in Cortina vergangene Woche beim Training über einen Stein gefahren, da war dann die Kante hinüber", erklärte die 26-Jährige. Weil sie sich aber gerade auf diesem Rennmaterial so unheimlich wohl fühlt, ließ ihr Servicemann die Kante trotz des Defekts nochmals schleifen und überraschte die Partenkirchenerin erst unmittelbar vor dem Rennen mit deren neu gerichteten Lieblingsski.
"Sie hat mit Abstand die beste Linie getroffen und die Taktik perfekt umgesetzt. Nun steht endlich wieder der Athlet im Vordergrund und nicht das Material. Maria hat heute bewiesen, dass man Abfahrten immer noch auf Frauen-Skiern gewinnen kann", lobte DSV-Alpin-Direktor Wolfgang Maier seine aussichtsreichste Medaillenkandidatin für Vancouver. Dennoch will diese noch vor Olympia neues Material testen und abwägen, ob auch sie den Wechsel auf die fünf Zentimeter längeren Modelle der Männer riskiert. Diese Skier sind nicht nur länger, sondern auch härter und rund 250 Gramm pro Stück schwerer. In extremer Kurvenlage laufen diese daher besser und ermöglichen der Rennfahrerin, leichter auf Zug zu bleiben und Geschwindigkeit aufzunehmen. Ob sie dann im Februar auf der Olympiapiste tatsächlich ein neues (Herren-)Modell oder nicht doch den "kaputten" Siegerski von heute einsetzen wird, entscheidet die Slalomweltmeisterin gemeinsam mit ihrem Servicemann erst Vorort in Kanada. "Ich vertraue da voll auf Stefan Böhler, der hat ja schon oft ein gutes Händchen bewiesen", meinte Maria Riesch und gab sich kämpferisch: "Ich will in Vancouver jetzt auf jeden Fall eine Medaille, mein großer Traum ist Gold."
Die Reise nach Kanada wird nun auch Teamkollegin
Gina Stechert
antreten, nachdem diese in der gestrigen Super-Kombination den beachtlichen 9. Platz belegte.
Die Zollwachtmeisterin nutzte die ihr vom DOSB eingeräumte
Chance auf eine Nachnominierung und erfüllte damit als 12. Mitglied des Zoll Ski Teams die
geforderten Kriterien. "Unglaublich, fantastisch! Mir fällt ein riesengroßer Stein vom Herzen.
Nach meiner schweren Verletzung hat die Olympiaqualifikation einen hohen Stellenwert", sagte die
Speedexpertin am Freitag nach dem Rennen. Mit Platz 4 im Super-G legte sie den
Grundstein für ihren Erfolg, der auch im anschließenden Slalom zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet war.
"Olympia spukte bei mir schon im Hinterkopf herum, aber ich habe versucht locker zu bleiben", erläuterte
sie ihr Erfolgsrezept. Ohne den Qualifikationsdruck erzielte sie dann als Elfte der heutigen Abfahrt ihr
bisher bestes Saisonergebnis in ihrer Spezialdisziplin und kommt rechtzeitig vor Vancouver immer besser in Form.




